Die Ansäuerung von Gülle mit Schwefelsäure ist gängig. Die SVLFG weist auf die Gefahren beim Umgang mit der Chemikalie hin und rät zu Schutzmaßnahmen.
- Gefahren durch Schwefelsäure
- STOP-Prinzip
- Erste Hilfe
- Verfahrensspezifische Risiken
Die Ansäuerung von Gülle gilt als wirksame Methode, um Emissionen in der Landwirtschaft zu senken. Besonders häufig kommt dabei Schwefelsäure zum Einsatz. Die Chemikalie senkt den pH-Wert der Gülle, wodurch gasförmiges Ammoniak (NH₃) in gebundenes Ammonium (NH₄⁺) umgewandelt wird und nicht mehr entweichen kann. Dadurch bleiben einerseits mehr Nährstoffe in der Gülle erhalten und andererseits werden die Ammoniak-Emissionen reduziert. Doch der Umgang mit Schwefelsäure birgt auch Gefahren. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) informiert über Risiken und notwendige Schutzmaßnahmen.
Gefahren durch Schwefelsäure
Laut SVLFG sind direkte Kontakte sowie entstehende Dämpfe und Reaktionsprozesse besonders kritisch. Das kann erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben.
- Verätzungen von Augen, Haut und Schleimhäuten bis hin zu schweren Gewebeschäden
- Schädigung der Atemwege durch Dämpfe und Aerosole
- Freisetzung von hochgiftigem Schwefelwasserstoff aus der Gülle
- Starke Wärmeentwicklung bei Kontakt mit Wasser oder Laugen
- Zersetzende Reaktionen mit organischen Stoffen, teilweise bis zur Verkohlung
STOP-Prinzip als Grundlage
Für den sicheren Umgang sollte das sogenannte STOP-Prinzip angewendet werden. Schutzmaßnahmen werden in folgender Reihenfolge umgesetzt.
- Substitution: Gefährliche Stoffe oder Verfahren werden durch weniger gefährliche Alternativen ersetzt.
- Technische Maßnahmen: Gefahren werden durch bauliche oder technische Lösungen wie geschlossene Systeme minimiert.
- Organisatorische Maßnahmen: Arbeitsabläufe und Regeln werden so gestaltet, dass Risiken möglichst vermieden werden.
- Persönliche Maßnahmen: Beschäftigte schützen sich durch geeignete persönliche Schutzausrüstung wie Gesichts- und Augenschutz, Chemikalienschutzhandschuhe, Schutzkleidung, Sicherheitsschuhe.
Oft ist eine Kombination dieser Ebenen erforderlich, um ein ausreichendes Sicherheitsniveau zu erreichen.
Erste Hilfe im Ernstfall
Schnelles Handeln kann schwere Verletzungen verhindern.
- Augen sofort mindestens zehn Minuten mit Wasser spülen
- Kontaminierte Kleidung umgehend entfernen
- Haut gründlich mit viel Wasser reinigen
- Bei konzentrierter Säure zunächst trocken aufnehmen, dann spülen
Eine schnelle medizinische Versorgung ist in jedem Fall notwendig.
Verfahrensspezifische Risiken
Je nach Methode der Ansäuerung entstehen zusätzliche Gefahren.
- In geschlossenen Räumen: Giftige Gase müssen sicher abgeführt werden. Tanks müssen dicht verschlossen sein, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.
- Bei der Ausbringung: Gasentwicklung und Volumenzunahme können zu Überdruck oder Überlaufen führen. Die Technik muss so ausgelegt sein, dass Druck kontrolliert entweichen kann.
