Verbraucher dürften niedrige Preise für Butter freuen, bei Landwirten kommt kaum noch was an.
- Demo vor Lidl-Zentrale
- Milcherzeugung deckt Kosten nicht mehr
- Lidl verteidigt niedrige Preise für Milch und Butter
Vergangene Woche haben Landwirte vor der Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen in Baden-Württemberg gegen die Milch- und Butterpreise des Discounters demonstriert. Laut Polizei waren rund 140 Traktoren aufgefahren. Der Verein „Land schafft Verbindung BW“ spricht von 250 Schleppern. Der Grund für den Unmut: Butter wird für Verbraucher immer billiger. Ein 250-Gramm-Stück Deutsche Markenbutter kostet bereits unter einem Euro. Wie sollen Milchviehhalter da noch einträglich produzieren?
Milch und Butter Minusgeschäft für Landwirte
Der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) Hans Foldenauer sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Für uns Milchviehhalter bedeuten solche Preise ein wirtschaftliches Desaster.“ Laut dem landwirtschaftlichen Informationszentrum Proplanta liegt der Grund für den Preisverfall bei sinkenden Milchpreisen auf dem Weltmarkt, mehr Milchanlieferungen anMolkereien und höherem Fettgehalt. Je mehr Fett die Milch enthält, desto weniger Milch wird dafür gebraucht.
Wie Proplanta weiter schreibt, wird der Milcherzeugerpreis von den Molkereien anhand verschiedener Kriterien festgelegt. Dazu zählen die Marktlage, die Milchmengen und der Fettgehalt. Laut Foldenauer lag in der ersten Jahreshälfte 2025 der im Bundesdurchschnitt an die Landwirte ausgezahlte Preis bei rund 53 Cent pro Kilogramm Rohmilch. Mit Produktionskosten von 53,53 Cent pro Kilogramm sieht der BDM-Sprecher die Produktionskosten „gerade so gedeckt”. Laut Zahlen des Verbandes ist die Milcherzeugung inzwischen sogar ein Minusgeschäft. Zuletzt fielen die Erzeugerpreise auf durchschnittlich 46 Cent.
Unverständnis für Lidl-Erklärung
Obwohl Lidl laut Proplanta betonte, im Zuge der Preissenkung „bewusst auf Marge zu verzichten, um durch eine höhere Absatzmenge die Milchbauern zu unterstützen“, zeigt sich Foldenauer enttäuscht: „Was hilft uns Milchviehhaltern eine höhere Absatzmenge, wenn wir mit jedem Kilogramm Absatz Verluste einfahren?“ Der Lebensmitteleinzelhandel könne die niedrigen Butterpreise nur anbieten, weil die Molkereiunternehmen so günstig lieferten – und ihre Preiszugeständnisse „ohne eigenes wirtschaftliches Risiko“ direkt an die Landwirte weiter reichten, zitiert Proplanta Foldenauer aus dem dpa-Artikel.
